05. Juni 2019
Canine Leishmaniose – Was ist das für eine Krankheit?

Oft hört man auf dem Hundeplatz oder von anderen Hundehaltern etwas über die Leishmaniose-Krankheit, wenn es um die Urlaubsplanung und über Hunde aus dem Ausland geht. Aber was ist das überhaupt für eine Krankheit und wie kann ich meinen Hund davor schützen?


Die canine Leishmaniose – Ätiologie und Epidemiologie

Die Leishmaniose ist eine durch Sandmücken (Phlebotomen) übertragene Erkrankung verursacht durch Protozoen des Genus Leishmania. Hunde sind das Hauptreservoir für den Erreger Leishmania infantum, welcher im Mittelmeerraum als Verursacher der viszeralen Leishmaniose beim Menschen gilt. Leishmania infantum kann beim Hund und bei immun supprimierten Menschen schwerwiegende Symptome verursachen.
Die canine Leishmaniose ist eine ernst zunehmende Erkrankung, die im Mittelmeerraum (sowie in Teilen Asiens, Mittel- und Südamerikas) weit verbreitet ist. Basierend auf Seroprävalenzstudien sind in Südwest Europa ungefähr 2.5 Millionen Hunde infiziert.1
Studien haben gezeigt, dass Sandmücken auch in Belgien, Süddeutschland, im Tessin und in Norditalien vorkommen.² In diesen Gebieten sind einzelne autochthone Fälle von Leishmaniose dokumentiert.² Vor allem durch den Import von Hunden aus endemischen Ländern und durch die steigende Anzahl von Hunden, die in gefährdete Gebiete reisen, wird die Krankheit immer häufiger in nicht-endemischen Gebieten diagnostiziert.

Pathogenese
Durch den Stich der Sandmücke gelangen die begeißelten Promastigoten in die Haut, wo sie von Makrophagen phagozytiert werden. Als unbewegliche Amastigoten vermehren sich die Leishmanien in den Makrophagen.
Die Art der Immunabwehr entscheidet darüber, ob der Erreger aus dem Körper eliminiert wird, ob der Hund asymptomatisch infiziert bleibt oder ob die Krankheit ausbricht. Eine starke zelluläre Immunantwort führt zur Elimination des Parasiten oder zur Ausbildung einer asymptomatischen Verlaufsform (subklinische Infektion). Die Entwicklung der fatalen klinischen Symptome ist verbunden mit einer starken humoralen Immunantwort und einer schwachen zellulären Immunantwort.³ Wird das Immunsystem in Richtung der humoralen Immunantwort geleitet, werden grosse Mengen von nicht-protektiven Antikörpern gebildet. Diese überschiessende Immunantwort ist der eigentliche Grund für die Ausbildung klinischer Symptome. Zirkulierende Immunkomplexe führen zu Vaskulitis, Polyarthritis, Uveitis, Glomerulonephritis und zu Nierenversagen. Die durch die systemische Vaskulitis bedingte lokale Ischämie führt zu viszeralen und kutanen Nekrosen.
Nur 10 – 15 % der infizierten Hunde entwickeln eine klinisch symptomatische Leishmaniose. Eine grosse Anzahl bleibt subklinisch infiziert und gilt als wichtiges Reservoir für die Weiterverbreitung des Parasiten.

Klinische Symptomatik
Die Leishmaniose ist eine chronische Erkrankung. Die Inkubationszeit kann sehr lange dauern, die klinischen Symptome können sich auch erst mehrere Jahre nach der Infektion entwickeln.

Die Ausprägung der klinischen Symptomatik der caninen Leishmaniose ist sehr variabel. Die Infektion führt zu Allgemeinsymptomen wie Mattigkeit, Leistungsabfall, Anorexie und Gewichtsverlust, Muskelatrophie, Durchfall und Erbrechen. Die Lymphknoten und die Milz sind vergrössert. Durch die verminderte Durchblutung der peripheren Gefässe kommt es zu Haut- und Krallenveränderungen mit Ulzera an Ohren und Nase, zu Alopezie und einer exfoliativen Dermatitis, welche oft am Kopf beginnt. Augenveränderungen (Uveitis, Keratitis, Konjunktivitis) und Polyarthritis sind ebenfalls sehr häufig.

Diagnostik
Zu den häufigsten Laborveränderungen gehören zu viele Proteine (Eiweiße) im Blut. Ebenfalls häufige Laborveränderungen sind eine erhöhte Anzahl an stickstoffhaltigen Substanzen im Blut, Urin im Blut, Blutarmut und ein Mangel an weißen Blutkörperchen. Das Diagnostikum der Wahl bei symptomatischen Patienten ist der Nachweis des Parasiten selbst mit Hilfe der Zytologie/ Histologie (in den Zellen) und/oder eine positive Serologie (Blutuntersuchung). Zur zytologischen Diagnose eignen sich v.a. Lymphknotenpunktate und Geschabsel von Hautveränderungen.

Therapie
Da der Parasit intrazellulär in den Makrophagen lebt und Mechanismen entwickelt hat, mit denen er der Immunabwehr erfolgreich entgehen kann, ist die Therapie nicht einfach. Die Therapie führt nicht zur Elimination der Erreger, sondern dient der Kontrolle der klinischen Symptome.4 Neben einer symptomatischen Therapie (z.B. bei Niereninsuffizienz und Proteinurie) werden verschiedene Medikamente zur Behandlung der caninen Leishmaniose eingesetzt.
Hier wird der Haustierarzt das richtige Medikament für den Hund auswählen und eine geeignete Therapie in die Wege leiten. Leider wird der Hund jedoch nie komplett genesen.

Prävention
Sollten Sie einen Urlaub in ein Land mit einem hohen Risiko der Ansteckung planen, dann bietet sich die Möglichkeit der Impfung Ihres Hundes mit einem speziellen Impfstoff der Firma Virbac.
Mit der Impfung ist das Risiko, an einer aktiven Infektion zu erkranken, rund viermal kleiner, als bei nicht geimpften Hunden.6
Die Impfung ist eine wichtige Ergänzung zu den bisher angewendeten äußerlich aufgetragenen Präventivmaßnahmen gegen die canine Leishmaniose. Die Erstimpfung sollte mindestens 10 Wochen vor Reisebeginn erfolgen.

Vektorexposition vermeiden
Die Sandmücken sind vor allem in den warmen Monaten und während der Dämmerung aktiv. Es wird deshalb empfohlen, die Hunde eine Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang im Haus zu halten.
Leishmanien werden durch Sandmücken (Phlebotomus spp.) übertragen. Den Stich der Sandmücke verhindern Insektizide, die auf den Hund aufgetragen werden und ihn während einer gewissen Zeit vor Stichen der Sandmücken schützen. Dies können Präparate in Form von Spot-On’s Sprays oder Halsbändern sein.
Fragen Sie hierzu Ihren Tierarzt. Er wird Sie hierüber ausführlich beraten.

Referenzen
1. Moreno J, Alvar J. Canine leishmaniasis: epidemiological risk and the experimental model. Trends Parasitol, 2002; 18 (9): 399–
405.
2. Mencke N. The importance of canine leishmaniosis in non-endemic areas, with special emphasis on the situation in Germany.
Berl Münch Tierärztl Wochenschr, 2011; 124:434-442.
3. Pinelli E, Killick-Kendrick R, Wagenaar J et al. Cellular and humoral immune response in dogs experimentally and naturally
infected with leishmania infantum. Infection and Immunity, 1994;62(1):229-35.
4. Baneth G, Shaw SE. Chemotherapy of canine leishmaniosis. Vet Parasitol., 2002; 106:315-324.
5. Farca AM et al. Canine Leishmaniosis: in vitro efficacy of miltefosine and marbofloxacine alone or in combination with allopurinol
against clinical strains of Leishmania infantum. Parasitol Res 2012, Epub ahead of print.
6. Commitee for Medicinal Products for Veterinary Use (CVMP) Assessment Report, Januar 2011. www.ema.europa.eu. Juni 2011